Sie befinden sich hier
Inhalt
CARE-IA steht für „Care, Awareness, Risk Detection & Prediction, prEvention Strategies in Intracranial Aneurysms“. Das Projekt verfolgt ein klares Ziel: Menschen mit einem Hirnaneurysma sollen künftig eine präzisere Einschätzung ihres individuellen Risikos erhalten – als Grundlage für fundierte Entscheidungen und eine passgenaue Behandlung oder Beobachtung.
Dafür verbinden wir klinische Daten, hochauflösende Bildgebung, Blut-Biomarker und Verfahren der Künstlichen Intelligenz auf einer gemeinsamen Forschungs- und Versorgungsplattform. CARE-IA wird von der H.W. & J. Hector Stiftung gefördert und ist am Zentrum für Hirnaneurysmen der Universitätsmedizin Mannheim angesiedelt.
Die fünf Arbeitsbereiche
I. Digitale Infrastruktur
Entwicklung einer sicheren, DSGVO-konformen Datenplattform, die Bildgebung, klinische Daten und Biomarker zusammenführt (Leitung: Biomedizinische Informatik, UKMA).
II. GUIDE-IA – Aufklärung, Information und Entscheidungshilfen
Aufbau der ersten bundesweiten Aufklärungskampagne zu Hirnaneurysmen, einer unabhängigen Wissens- und Zweitmeinungsplattform sowie der ersten deutschen Selbsthilfestruktur für Betroffene. Diese Website ist Teil dieses Arbeitsbereichs.
III. Früherkennung und Risikovorhersage
KI-gestützte Erkennung von Hirnaneurysmen in der Bildgebung, Validierung von Blut-Biomarkern sowie Entwicklung eines multimodalen Modells zur Vorhersage von Entstehung, Wachstum und Ruptur.
IV. Prävention und Selbstwirksamkeit
PROTECT-U sowie die telemedizinische Begleitung konservativ behandelter Patientinnen und Patienten – mit dem Ziel, Sicherheit, Lebensqualität und den Umgang mit der Erkrankung nachhaltig zu verbessern.
V. RESCUE-SAH
Aufbau eines koordinierten regionalen Akutversorgungsnetzwerks für die aneurysmatische Subarachnoidalblutung mit digitaler Triage und optimierten Transferwegen.
Früherkennung und KI-gestützte Risikovorhersage
Ob von einem Hirnaneurysma tatsächlich ein relevantes Risiko ausgeht, lässt sich heute nur begrenzt vorhersagen. Wir entwickeln Verfahren, die Bilddaten, Blut-Biomarker und klinische Informationen zusammenführen, um das individuelle Risiko deutlich präziser einzuschätzen.
mehr dazu
So kann die Entscheidung, ob ein Aneurysma behandelt oder beobachtet werden sollte, künftig auf einer wesentlich besseren Grundlage getroffen werden.
- Voxel-genaue Annotation von Bilddaten von mehr als 500 Patientinnen und Patienten mit Hirnaneurysmen sowie der Mannheimer PROTECT-U-Kohorte; Training von Deep-Learning-Modellen (CNN, Vision Transformer, multimodale Foundation Models) mit besonderem Augenmerk auf Robustheit gegenüber unvollständigen Bildprotokollen.
- Externe Validierung unter anderem anhand der Daten der Nationalen Kohorte (NAKO).
- Entwicklung multimodaler Fusionsmodelle zur Identifikation klinisch relevanter Aneurysma-Biotypen (Kooperation mit dem ZI Mannheim und dem Hector Institute for AI in Psychiatry).
Biomarker aus dem Blut
Bisher ist für jede Verlaufskontrolle eine Bildgebung erforderlich. Wir untersuchen, ob sich im Blut Biomarker nachweisen lassen, die auf eine zunehmende Instabilität der Aneurysmawand hinweisen. Langfristig könnte ein einfacher Bluttest die Bildgebung ergänzen und helfen, Verlaufskontrollen gezielter und individueller zu planen.
mehr dazu
- Nachweis zirkulierender Kollagen-Abbauprodukte als Biomarker für das Vorhandensein und die Instabilität intrakranieller Aneurysmen (Hackenberg et al., European Stroke Journal 2024; Stroke 2020).
- Erweiterung des Biomarker-Panels um zirkulierende Endothelzellen und endotheliale Vorläuferzellen als Marker für Gefäßschädigung und Gefäßreparatur.
- Longitudinale Validierung der Biomarker in der CONTINUITY-Kohorte.
Prävention: PROTECT-U
PROTECT-U ist die weltweit erste große Studie, die untersucht, ob sich das Risiko einer Aneurysmaruptur medikamentös senken lässt – durch eine konsequente Blutdruckeinstellung und niedrig dosierte Acetylsalicylsäure. PROTECT-U untersucht erstmals, ob eine gezielte medikamentöse Prävention eine sichere Alternative zwischen Beobachtung und invasiver Behandlung sein kann.
mehr dazu
Bislang gab es für Menschen mit einem unrupturierten Hirnaneurysma im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: behandeln oder beobachten.
- Randomisierte, internationale Phase-III-Studie unter Mannheimer und Utrechter Studienleitung; aktuell durchgeführt in Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Kanada.
- Aktuell mehr als 470 eingeschlossene Patientinnen und Patienten, davon über 170 mit abgeschlossener 36-Monats-Nachbeobachtung.
- PROTECT-U 2.0: Aufbau der ersten prospektiven Zehnjahres-Kohorte konservativ behandelter Patientinnen und Patienten mit unrupturierten Aneurysmen – mit dem Ziel, belastbare Langzeitdaten zu generieren, die bislang überwiegend aus retrospektiven und selektierten Kohorten stammen.
- Eigener, kontinuierlich aktualisierter Bereich „Kann ich teilnehmen?“ mit Ein- und Ausschlusskriterien in verständlicher Alltagssprache sowie direktem Kontaktweg zum Studienteam.
